Mexico -> Belize / Border Scam

Wir überquerten die Grenze zwischen Mexico und Belize Ende Oktober 2017 in der Nähe von Chetumal. Was einen dort erwartet, wie der Border-Scam aussieht und wie man erfolgreich schafft KEIN Geld an der Grenze zu lassen, kann hier nachgelesen werden.

Busfahrt

Nach dem Aufenthalt in Mexico sollte es nach Belize City gehen. Am 22. Oktober sind wir aus Bacalar mit einem Bus für ca. 11 EUR p.P. nach Belize City gefahren. Die Busse fahren 2x am Tag – einmal mitten in der Nacht und einmal am Nachmittag.

Bacalar -> Belize City schedule

Mit einer kleinen Verspätung ging es dann von der falschen Seite der Straße los (direkt am ADO-Gebäude). Zunächst verlief alles problemlos und wir hielten nach in ca. 30-45 Minuten bereits an dem Grenzübergang zwischen Mexico und Belize in der Nähe von Chetumal an.

Nach Korruption riechender Grenzübergang

Vorab ein schönes Zitat aus Narcos:

https://youtu.be/wXPcbqbzMkE

„Plata o Plomo“ – Nein, so schlimm war es nicht 🙂 An der Grenze angekommen mussten alle (fast nur Touristen/Backpacker aus Deutschland, England und Australien; keine Mexikaner) aus dem Bus aussteigen. Alle reihten sich an dem Eingang zu dem Gebäude ein und ein Beamter in blauer Uniform kam heraus. Die ersten betraten das kleine Gebäude und kamen nach einigen wenigen Minuten mit großen Augen wieder heraus und teilten allen mit, dass 30 EUR/USD für die Ausreise fällig werden. Darauf waren die meisten nicht vorbereitet, haben geflucht und schon mal das Geld zusammen gekratzt. Des Weiteren wurde mitgeteilt, dass eine Zahlung mit Kreditkarte nicht möglich wäre. Man solle ein Taxi nach Chetumal nehmen, um dort Geld zu holen oder noch besser, andere, mit dem Auto Vorbeifahrende fragen, ob diese mit einem zum nächsten Bankautomaten fahren. Der Mann in blau fing an zu drohen, dass bei Zahlungsverweigerung es keinen Ausreisestempel geben würde. Da kaum einer der spanischen Sprache auf dem Niveau mächtig war, hielten sich seine Drohungen aufgrund der fehlenden Englischkenntnisse in Grenzen.

Uns hat das Ganze nicht geschockt, da wir uns bereits vorab über diesen berühmt-berüchtigten Grenzübergang informiert haben. Die Beamten verlangen eine Ausreisegebühr, die es so nicht gibt. Fängt man an mit den Leuten zu diskutieren, dass diese Gebühr nicht existiert, fragen sie nach der Einreisegebühr bzw. Touristensteuer. Diese gibt es tatsächlich, ist aber bei den meisten Airlines direkt in den Ticketpreis einkalkuliert. Ob dies bei Eurowings ebenfalls geschieht, konnte ich leider vorab nicht herausfinden. Die Internetrecherche ergab, dass mit Ausnahme einer Billigfliegergesellschaft die anderen Airlines diese Gebühr direkt abziehen. Ist man auf dem Landweg eingereist, könnte es anders aussehen – da wird die Gebühr oft erst bei der Ausreise fällig.

Die Diskussionen mit anderen Touristen gingen weiter und wir haben sofort gesagt, dass wir nicht bezahlen werden. Bis dahin kamen bereits Mitreisende aus dem Gebäude, die ihren Pass dort lassen mussten, weil sie nicht bezahlen wollten/konnten. Andere wiederum sagten, dass sie nur 300 MX$ bezahlen mussten (~ 13. EUR). Einer musste nichts zahlen, da die keine Kreditkarte annahmen, anderer konnte einen Teil anzahlen – den Rest müsste er angeblich bei der Einreise dann bezahlen. Summa summarum: Komplette Willkür der Beamten und niemals legitim!

Nun waren wir nach 10-15 Minuten dran. In dem kleinen Raum befangen sich ein älterer Mann und eine Frau, die am Computer saß. Hin und wieder kam der Geldeintreiber in blauer Uniform von draußen rein, der ständig böse guckte und den bösen Cop gespielte. Unsere Pässe wurden angeschaut und die Gebühr wurde verlangt. Wir fingen an zu diskutieren, dass die Gebühr nicht rechtens sei, da wir diese bereits bezahlt haben. Wir wurden nach Tickets gefragt, die wir selbstverständlich nicht hatten bzw. nie besessen haben (Willkommen im Neuland!). Was wir jedoch noch aufbewahrt haben, waren die Boardingpässe:

Boardingpässe

Diese Boardingpässe schnappte sich dann der Opi und fing an diese zu analysieren. Als er feststellte, dass die Gebühr dort nicht explizit ausgewiesen worden ist (warum sollte dies auch auf Boardingpässen der Fall sein?^^), zeigte er ein Beispiel einer Bescheinigung, die angeblich die Bezahlung der Touristensteuer nachweisen soll. Ein solches Schreiben hat keiner der Eingereisten am Flughafen und auch keiner aus dem Bus bekommen. Wir zeigten zudem noch den Einreisestempel, der eindeutig belegt, dass wir auf dem Luftweg ins Land eingereist sind.

Einreisestempel Mexico

Die Diskussionen gingen eine Zeit lang hin und her. Naja, eher war es ein Wedeln mit den Papieren von beiden Seiten, da keiner den anderen so richtig verstanden hat. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung war, als der Opi die Boardingpässe in die Hand nahm, sich Zettel und Stift schnappte und – haltet euch fest – die Nummer des Gates, die Abfluguhrzeit, das Datum und die Sitznummern notiert hat. Von einem Flug, der bereits in der Vergangenheit liegt. Unsere Vermutung ist, dass dies sein letzter Einschüchterungsversuch war, bevor er aufgestanden ist und mehrmals einen Daumen nach oben zeigte. Danach machte er die Pässe auf, nahm den Stempel in die Hand, stempelte die Pässe und bat uns nach draußen. Wir haben uns bedankt und flüchteten, bevor er sich das anders überlegt hat.

Tipps & Tricks

Noch mal zusammengefasst für alle die diese Grenzen passieren möchten und nicht heiß darauf sind 30 EUR p.P. loszuwerden:

  • Die Einreisegebühr ist oft/meistens in den Flugtickets explizit aufgeführt/enthalten. Bewahrt dieses Ticket bzw. die Auflistung der Kosten auf.
  • Zeigt, dass ihr auf dem Luftweg ins Land gekommen seid.
  • Laut vielen Quellen aus diesem Internet, dürfen die Grenzbeamten kein Geld annehmen. Wie in vielen Ländern ebenfalls üblich, bekommt man einen Einzahlungsschein mit Betrag etc., der bei einer Bank beglichen werden kann. Dort erhält man einen Stempel, dass die Bezahlung erfolgt ist (Vermeidung von Korruption). Diese kann man anschließend den Beamten zeigen. Ein solche Option war an der oben erwähnte Grenze nicht möglich.
  • Verlangt nach einer Quittung! Diese können die Beamten ebenfalls nicht ausstellen. KEINER der Mitreisenden, die bezahlt haben, haben eine Quittung bekommen. Ich habe nach „recibo“ gefragt, die Antwort war „No!“. Das Geld wandert vermutlich direkt in die Taschen der Beamten.
  • Und wie immer gilt: Standhaft bleiben und nicht einschüchtern lassen. Zudem lassen die Beamten einen lieber leise gehen, bevor es sich herumspricht, dass jemand aus welchem Grund auch immer, nicht bezahlt hat. Das soll nicht heißen, dass man laut werden sollte – selbstbewusstes Auftreten ist jedoch evtl. von Vorteil.

An dieser Stelle auch ein Optimierungstipp für den Ablauf an die Amateur-Geldeintreiber (das läuft in Ländern wie Russland etwas professioneller ab ^^): Lasst die Leute nicht durch die Eingangstür, wo sich die Wartenden befinden, wieder raus. :D:D Ein separater Ausgang wäre effizienter, da sich die Leute so nur schwer absprechen können. Dort dann am besten die Leute sammeln, sodass die bereits Abgefertigten nicht mit den anderen in Kontakt kommen. Aktuell ist das Erste, was man hört, wenn man rausgeht: „Did you pay ‚em?„.

Kommen wir wieder rein?

Wir wissen nicht, ob und was die Beamten im Computer vorgemerkt haben und ob uns dies bei der Wiedereinreise Probleme bereitet. Da wir über Guatemala einreisen, ist die Hoffnung groß, dass nichts geschehen wird. Mal sehen, ob wir doch aus Guatemala nach Peru weiterreisen müssen, anstatt aus Mexico ^^. Wir werden es in jedem Fall berichten!

 

Peace & Grüße aus der stürmischen und verregneten Caye Caulker. 😛


Update 09. November 2017

Wir sind heute von Guatemala City nach Mexico City geflogen. Bei der Einreise bzw. der Passkontrolle verlief alles problemlos. Der nette Beamte wünschte einen guten Aufenthalt und meinte zum Schluss auf Deutsch „Auf Wiedersehen!“. Es gilt also noch eine Hürde zu überwinden: Die Ausreise morgen früh in Richtung Südamerika.

Da es jedoch bereits jetzt keine Probleme gab, liegt die Vermutung nahe, dass es sich tatsächlich um einen Betrugsversuch gehandelt hat. Das Geld vieler anderer Mitfahrer landete mit großer Wahrscheinlichkeit in den Taschen der drei Beamten. Somit gilt: Mit Händen und Füßen gegen die Masche wehren und nicht bezahlen! Das Geld ist an anderen Stellen viel besser angelegt.

Peace & Gruß aus Mexico City

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4 Antworten

  1. Steffen sagt:

    Ahhh, das hört sich ja noch schlimmer wie der Landweg von Nicaragua nach Costa Rica an. Die haben immerhin aufgegeben, wenn man den richtigen Preis kannte. 😉

    Aber wie ich lese seid ihr da schon einiges gewohnt. Nächstes mal vielleicht einfach den Spieß umdrehen und ein „Empfangsgeld“ von 50$ verlangen?

    • alex sagt:

      Hallo Steffen,

      schöne Email-Adresse hast du 😉
      Ja, hier gab es gar keinen „richtigen“ Preis. Haben aktuell die Grenze nach Mexico ohne jegliche Probleme wieder passiert. Also hatten die Beamten tatsächlich keine rechtliche Grundlage, um dieses Geld zu verlangen oder die kommunizieren nicht miteinander – ich tippe aufs Erstere.

      Ich halte es für eine gute Idee „Empfangsgeld“ zu verlangen. Hast du ein paar Tipps welche Druckmittel wir dort anwenden könnten? Mir fallen aktuell noch keine ein 😉

      Gruß
      Alex

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